
Am Müll-Kunstwerk die Fusion trainiert
Führungskräfte üben bei Seminar praktische Zusammenarbeit
Kempten (pa). Was soll denn das werden? Die Frage stellten sich kürzlich zahlreiche neugierige Passanten, die sich an den Scheiben der Markthalle am Königsplatz die Nasen platt drückten. Drinnen waren nämlich erwachsene Menschen in roten Overalls eifrig damit beschäftigt, zahllose Schrottteile zu einer Art Lindwurm zusammen zu fügen. Auf die Antwort wären die Zuschauer wohl nie gekommen: Das waren lauter gestandene Führungskräfte der Wirtschaft beim Finale eines Seminars unter dem Titel "Unternehmenskultur ist Führungskultur".
Bei den 14 Teilnehmern des Seminars, das der Kemptener Unternehmensberater Richard Schnitzer mit seinem Team veranstaltete, handelte es sich um Serviceleiter, Geschäftsführer, Verkaufsleiter und Betriebsräte der Frankfurter "Hessengarage". Die ist als größtes hessisches Ford-Autohaus aus der Fusion mehrerer Häuser hervorgegangen.
Und weil es, so Schnitzer, die wichtigste Aufgabe für alle von Fusionen betroffenen Unternehmen sei, Mitarbeiter und Führungskräfte bei den erforderlichen Veränderungen zu unterstützen und zu begleiten, wurde das Führungsseminar im Allgäu durchgeführt. Bei einer früherer Veranstaltung im Februar hatte bereits das Thema "Teambildung" auf dem Programm gestanden.
Die dreistündige Bastelei in der Markthalle war dabei alles andere als reine Spielerei. Sondern vielmehr die praktische Umsetzung der vorher behandelten Theorie. Die schwierige Aufgabe bestand nämlich darin, aus lauter Abfällen wie ausgemusterten Bügeleisen und Staubsaugerschläuchen, Baudraht, Rollschuhen oder Ofenrohren ein 20 Meter langes Gebilde zusammenzusetzen. Und das sollte nicht nur einem gewissen künstlerischen Anspruch genügen, wobei die Münchner Künstlerin Rosemarie Zacher beratend zur Seite stand. Sondern, noch schwieriger: Am Ende sollte ein Gegenstand allein durch Eigenbewegung und ganz ohne Nachhilfe die 20 Meter überwinden. Dazu war natürlich ausgiebige Kommunikation und Feinabstimmung zwischen den einzelnen Bastlern nötig. Praktizierte Fusion sozusagen.
Aber es funktionierte. Als schließlich am Ende des Schrott-Kunstwerkes ein alter Tennisball in einen Mülleimer geplumst war, knallten zur Belohnung die Sektkorken. Seminarziel erreicht, lautete der Trinkspruch.
zurück